Mercy und die Frage nach der Pubertät

Na, habt ihr und ggf. eure Vierbeiner einen guten Start ins neue Jahr gehabt? Zum Glück gehört ein Feuerwerk in Spanien an Silvester eher zur Seltenheit, so konnten Charly und Mercy einen ruhigen Abend verbringen und genossen das ein oder andere Häppchen, was bei unserem Silvesterfondue für sie abfiel. Dass Charly und Mercy harmonisch nebeneinander sitzen, gehört eher, sofern ich nicht gerade was Leckeres in den Händen halte oder es zubereite, der Vergangenheit an.
Mercy hat es sich derzeit zur Aufgabe gemacht, Charly und uns in den sprichwörtlichen Wahnsinn zu treiben. Wir dachten wirklich, während all den Wochen, die Mercy jetzt schon in unserer Familie lebt, wäre die Rangordnung geklärt. Aber Pustekuchen. Mercy fordert Charly tagtäglich heraus, das beginnt schon am frühen Morgen und endet erst bei Schlafengehen. Mercy beisst Charly dauernd in die Ohren und reisst ihm strähnenweise das lange Fell aus Gesicht und Schwanz. Er schaut schon richtig zerrupft aus, der Kleine. Er hat ja sonst wirklich eine Engelsgeduld mit Mercy bewiesen, hat mit ihr gespielt, sich viel gefallen lassen, mit ihr getobt und ihr immer wieder klar gemacht, dass er hier der "Macho" im Hause ist. Aber mittlerweile schnappt Mercy dauernd nach seiner Walnuss grossen Männlichkeit, als ob sie genau das ändern wollte. Das Gerangel der beiden geht nun so weit, dass sie sich solange malträtieren, bis einer von beiden vor Schmerzen laut schreit. Meistens ist das Mercy, was sie aber nicht davon abhält Charly erneut herauszuforden. 
Aber das sind leider nicht die einzigen Probleme. Rafael und ich stellten mit Bedauern fest, dass Mercys Gehorsam auf der Strasse (z.B. Kommen, wenn man sie ruft) seit dem vom Arzt verordneten Leinenzwang nach der OP ziemlich nachgelassen hat. Und noch schlimmer: sie greift Passanten an. Sie springt hoch, soweit es die kurze Leine hergibt und schnappt nach allem, was sich auf die Schnelle bietet, meistens Arme.
Wir wissen ja, dass ein Hund wie Mercy viel Auslauf und Bewegung braucht, aber auch, wenn man auf dem Lande lebt, heisst das nicht, dass man 100%ig immer einen Platz findet, wo man nicht auf Menschen trifft. Vor wenigen Tagen passierte es dann während ihres Freilaufs auf den Feldern, dass Mercy ein leicht geistig behindertes, junges Mädchen am Horizont entdeckte und wie vom Teufel besessen auf sie los rannte, während ich am anderen Ende des Feldes versuchte sie zurück zu rufen. Aber keine Chance. Mercy kläffte das Mädchen an, verfolgte sie, schnappte nach ihr. Mir rutschte das Herz in die Hose. Als ich dann nah genug war, rief ich dem Mädchen zu, sie solle zu mir kommen, denn Mercy hörte auch auf 20m nicht mehr auf mich. Dann gelang es mir, sie am Halsband zu greifen. Mercy bekam dann nen riesen Anschiss, das war klar. Zum Glück, blieb das Mädchen unverletzt. Gar nicht auszudenken, wenn da wirklich was passiert wäre, oder sie vielleicht einen alten Mann (wie unseren Nachbarn) umgeschmissen hätte und er sich vielleicht dabei die Hüfte bricht, ... da spielt das Kopfkino grausame Szenarien ab.
Dass ich sie hier am Dorfrand bei den Feldern vorerst nicht mehr frei laufen lassen kann, versteht sich von selbst. 
Wenn ich Mercy so beobachte, frage ich mich nun: gibt es auch bei Hunden eine Pubertät? Wenn ja,  geht die dann auch wieder vorbei? Findet sie plötzlich Spass daran, nicht mehr zu gehorchen? Denn anfangs machte sie einen ganz anderen Eindruck auf uns: verspielt und lebhaft, ja, aber nicht so!
Ich versuche nun, sie an die Hundepfeife zu gewöhnen und hoffe und bete, dass ich Mercy gebändigt bekomme. Ich weiss, Martin Rütter würde mir bestimmt sagen, es gibt kein Problem mit einem Hund, nur Hunde, die mit ihren Herrchen ein Problem haben. 
Und wer nun sagt, dass ich von Hunden keine Ahnung habe, dem muss ich ganz ehrlich sagen: Ja, es stimmt. Ich habe von Hunden so gut wie keine Ahnung. Bin ich doch nur an den lieben, kleinen 7kg-Charly gewöhnt, der nie was angestellt und nie gebissen hat und den man ruhigen Gewissens auch mal bis zu 9 Std. allein lassen kann.
Aber es soll jetzt nicht heissen, dass ich kein gutes Haar an Mercy lasse, um Gottes Willen nein. Wir haben auch kleine Fortschritte in anderen Bereichen gemacht, z.B. lässt Mercy nun wirklich Mülleimer und Papierkorb in Ruhe, auch wenn wir nicht im Raum sind. Wenn ich mal zwecks Einkäufen oder Kunstkurs das Haus auch für länger als 15min verlasse, stehen die Chancen immer besser, dass noch alles in Ordnung ist, wenn ich zurück komme. Das gibt mir irgendwo auch Hoffnung. Auch Schuhe wurden von ihr jetzt schon über 1 Woche links liegen gelassen (stinken sie etwa nicht mehr appetitlich genug?)
Den Speiseplan haben wir nun auch um frischen Ingwer und Paprika sowie altbackenes Baguette erweitert, heute allerdings fand sie Spass an einer Zewakartonrolle, die ich ihr zum Spielen gab.





Kommentare:

  1. Ja, die Pubertät gibt es definitiv. Hatte unsere Fini auch. Mit Blitzstart zu anderen Menschen rennen, die 200 Meter entfernt nichtsahnend ihren Weg gehen. Die Leute fanden das nicht lustig :(

    Bei Chico war es so, dass er sich beim Laufen einfach auf halber Strecke umgedreht hat und heimgejogged ist. Das fand ich nicht lustig.

    Mercy lotet einfach ihre Grenzen aus.

    Beim Schnappen: ich vermute mal, dass die eher spielen will. Trotzdem ist das natürlich nicht akzeptabel. Wenn Sie das bei Euch macht oder in Eurer Anwesenheit, dann klar verbieten.

    Das mit der Pfeife ist schon mal gut. Eventuell bringt auch eine Schleppleine etwas. Dann merkt die Kleine, dass sie unter Kontrolle ist (allerdings nicht krampfhaft festhalten die Leine, wenn Mercy durchstartet, das kann böse Brandwunden geben. Hab ich schon ausprobiert).

    Versucht attraktiv für sie zu sein, lobt sie, wenn sie kommt. Fangt mit Abrufaktionen auf kleine Strecken an. Immer wieder mal rufen, wenn sie nur drei, vier Meter von Euch weg ist. Dann loben und Leckerli.

    Wenn sich Mercy und Charly fetzen dürft Ihr meiner Meinung nach auch dazwischen gehen. Ihr seid schließlich die Chefs im Haus. Weist Mercy einen Platz zu, auf den sie sich bei Kommando zurückziehen muss. Eine kleine Hütte oder eine Decke, was immer - hauptsache es ist ein fester Platz.

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  2. Hallo Martin,

    im Haus klappt das mit der Pfeife schon etwas, sie merkt langsam, dass ich was will bzw. dass sie was bekommt, wenn der Ton ertönt.

    "Geh ab!" den Befehl kennt sie schon, dann geht sie auch auf ihre Decke. Allerdings bleibt sie dort nicht, kaum dreht man ihr den Rücken zu, steht sie schon wieder hinter einem.
    "Sitz!" wird freiwillig ohne Aufforderung gemacht, wenn sie denkt, dass sie was bekommt. Will man es von ihr klappt es meist erst dann, wenn man es laut und mit bestimmter Stimme zu ihr sagt. "Gesäusel" nimmt sie gar nicht wahr. Leise Töne bitte nur beim Schmusen (scheint sie sich zu denken).

    An so eine Schleppleine hat Rafael auch schon gedacht. Mal sehen, wo wir sowas herbekommen, denn in der normalen Tierhandlung hab ich sie leider noch nicht gesehen.

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  3. Durchsetzen. Wenn sie wieder von ihrem Platz aufsteht, mach Dich groß und dränge sie an den Platz zurück. Gar nicht anfassen, sondern ihr den Weg verstellen, so dass sie zurück geht. Wenn sie wieder drauf sitzt: looooben :)

    Wegen Sitz: Schau mal, ob Du vielleicht eine Geste mit der Hand zusätzlich machen kannst, um das Sitz zu etablieren. Wir haben dafür immer einen ausgestreckten Zeigefinger. Der funktioniert besser, als Sitz zu sagen - vermutlich, weil eine Geste nicht laut oder leise oder fröhlich oder traurig sein kann.

    Wenn sie sich setzt: belohnen und Leckerli geben. Mit der Zeit nur bei jedem zweiten Sitz belohnen, dann bei jedem dritten und so weiter (wobei ich das fast immer belohne ;) ). Oft reicht dem Hund schon die Aussicht auf ein Leckerli, um sich wie gewünscht zu verhalten. Wenn es dann bei jedem zweiten oder dritten Mal klappt, ist es für den Hund auch ok.

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  4. Ja, die Geste mit dem ausgestreckten Zeigefinger haben wir damals schon instinktiv bei Charly so angewandt, und bei Mercy jetzt auch. Das funktioniert aber, wenn überhaupt, nur dann, wenn sie einen auch anschaut, was sie eher selten tut. Wenn sie was nicht will, ahnst du gar nicht, wie flink sie an dir förmlich vorbeiflutscht. Und wenn man ihr dann hinter will, spielt sie fangen. An der Stelle kommt sie dann meistens an Charly vorbei und zack, wird ins Ohr gebissen...und schon ist das nächste Chaos perfekt. Gibt es einen guten Trick, dass Mercy uns mehr anschaut? Ich meine, von weiten schaut sie uns schon zu, aber sobald man näher kommt, mit Leine oder einem Anliegen, dann schaut sie weg...das ganze Gegenteil von Charly.

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  5. Belohnt doch das anschauen. Wenn sie zu Euch guckt, ein Leckerli hinwerfen. Wenn sie sich anstellt, dann füttert Ihr sie halt eine Weile nur noch als Belohnung. Also für das auf ihren Platz gehen, für das Sitz machen und so weiter.

    Das mit dem Vorbeiflutschen ist natürlich nicht nett von ihr. Dann eventuell Türen schließen, bevor Ihr sie auf den Platz schickt. Wenn sie den Platz verlässt dann geduldig sie so lange nerven, bis sie wieder auf den Platz geht. Dann belohnen und auf dem Platz möglichst in Ruhe lassen.

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  6. na dann kann ich mir ja permanent den Leckerchensack um den Hals hängen, dann schaut sie mich bestimmt an...hahaha....

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  7. Falls ihr keine fertige Schleppleine bekommt könnt ihr euch auch in einem Segelladen 8-10 relativ dünnes Seil (ca. 55-8mm Durchmesser) und einen kleinen Karabiner besorgen. den Karabiner am einen Ende befestigen und eine Handschlaufe am andren Ende - schon ist die Schleppleine fertig. Die Hand gehört übrigens nicht durch die Handschlaufe, die wird nur lose über die Finger gehängt damit das loslassen zur Not schnell geht.

    Zum Füttern nur aus der Hand: Einfach einen Waschbaren Stoffbeutel mit Clip oder Gürtelschlaufe mit der Tagesration von Mercy fülle und am Hosenbund befestigen. Immer wenn sie ein Kommando gut befolgt oder brav liegen beleibt, gibt es ein Bröckchen. Das funktioniert natürlich am besten mit Trockenfutter.

    Wenn sie wegrennt und nicht mehr auf dich achtet, versuch doch mal dir Charly zu schnappen und mit ihm zusammen in die andere Richtung zu rennen - meist ist das dann viel spannender als komische fremde Menschen - vor allem wenn es bei dir eine Belohnung gibt.

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